Unser Selbstwertgefühl

Aus Karsten Hoffmeyer


Wenn wir olympischen Sportlern beim Wettstreit zusehen, beeinträchtigt das dann unser Selbstwertgefühl? Natürlich nicht. Im Gegenteil, sie begeistern uns, und wir bewundern sie. Es inspiriert uns, dass es solche außergewöhnlichen Menschen gibt. Warum gilt für Schönheit nicht das Gleiche? Da verlangt der Feminismus plötzlich von uns, dass wir uns für eine solche Empfindung entschuldigen. Auf diese Weise wird Ästhetik durch Politik ersetzt, und in dem Ausmaß, in dem das Erfolg hat, wird unsere Lebensqualität immer weiter beschnitten.

Sich in Gesellschaft einer Weltklasseschönheit zu befinden, kann genauso anregend sein wie der Klang der Stimme eines Weltklassesoprans. Begnadete Individuen sind nicht die Einzigen, die von ihrer Gabe profitieren, wir alle tun das. Wenn wir uns diese Möglichkeit versagen, dann ist das ein Verbrechen.


Aus: Chiang, Ted: Die Wahrheit vor Augen. In: Hannes Riffel, Karlheinz Schlögel (Hrsg.) Das wahre Wesen der Dinge. 1. Auflage. Berlin: Golkonda, 2014. S. 153. ISBN 9783944720173.